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Randy Elliott
Randy Elliott

Ein Bisschen Frieden (2022)



Helmut Schmidt war noch Bundeskanzler, der internationale Musikwettbewerb hieß noch "Grand Prix Eurovision de la Chanson" statt Eurovision Song Contest und das Wort "bisschen" schrieb sich noch "bißchen": Am 24.4.1982 gewann Nicole in der englischen Kurstadt Harrogate mit dem Lied "Ein bisschen Frieden" für die Bundesrepublik Deutschland Europas größte Musikshow.




Ein bisschen Frieden (2022)



Das kleine bisschen Frieden. Nicole singt für ihn 1982 beim Grand Prix Eurovision de la Chanson im britischen Harrogate. Dunkles Biedermeierkleid, Locken fließen über ihre Schultern, weiße Gitarre. Das Lied der jungen Frau berührt damals die Jury, die Eurovisions-Gemeinde, mich eingeschlossen. Es ist die Hochphase des Kalten Krieges, ein Wettrüsten in Ost und West. Die Sorge vor dem Was-Wäre-Wenn gehört als mulmiges Gefühl zum Alltag. In Schule, in Kinofilmen, auf dem Spielplatz.


Nicole singt vom Träumen. Ich glaube, sie hat Recht. Friede will geträumt werden. Er beginnt klein, mit Lächeln, Liebe. Liedern. Und Frieden braucht Gebete, viele Gebete, in vielen Sprachen. Denn Beten ist ein Tun, das Menschen einander näherbringt. Und es verhindert, dass die Sorgen die Oberhand gewinnen. Nicole macht das übrigens 1982. Nach der Siegerehrung beim Grand Prix singt sie noch einmal ihr Lied, wechselt vom Deutschen in andere Sprachen. Auf Englisch bittet sie die Welt um Gebete für "Ein bisschen Frieden".


Nicht zappeln, Klaus! Gemeint mit dieser nicht allzu ernst zu verstehenden Aufforderung war Klaus Ernst, der sich fürs Gruppenfoto nach ganz vorn gestellt hatte. In einer Verschnaufpause bei der Klausur der Linken-Bundestagsfraktion in Potsdam war Ernst seinen Fraktionskolleg*innen vom Tagungshotel bis hinunter an den Templiner See gefolgt. Ein bisschen Frischluft kann den verzankten Köpfen ja nicht schaden, dachte man sich wohl. In Ufernähe stellten sich die Genoss*innen dann in Form eines Peace-Zeichens auf, hielten Schilder mit entsprechender Botschaft in die Höhe: eine unmissverständliche Forderung zum Weltfriedenstag am 1. September. Und tatsächlich hatte man für einen kurzen Moment das Gefühl, als hätte der Frieden auch die ewig zerstrittene Linke wieder erreicht: Die Genoss*innen scherzten miteinander, und als Beobachter gewann man den Eindruck, als seien die Keile zwischen ihnen zumindest ein Stück weit herausgezogen worden.


Dieser Ergebenheitston zwischen Aufgabe und Hingabe, die daraus sprechende Bescheidenheit und Aufrichtigkeit, seien sie auch nur gut gemimt, haben auch heute noch etwas Entwaffnendes und zugleich Furchteinflößendes. Dabei zeugte der Auftritt durchaus von einer anderen Schüchternheit als die aus sich herausträllernde einer Lena Meyer-Landrut und ihrem umhertänzelnden Satellite knapp 20 Jahre später; vielmehr saß Nicole (Hohloch mit bürgerlichem Namen) im schwarzen, steinbesetzen Spitzenkragenkleid in sich gefasst, nahezu unbeweglich auf einem Barhocker, während sie ihre Playbackgitarre auf dem Schoß mit abwesenden Händen streifte und lediglich ihren von einer wallenden Föhnfrisur gehaltenen Kopf nach der Kamera ausrichtete. Man hat Vermutungen darüber angestellt, wie dieses musikalische Bettelstück um ein bisschen Frieden und Sonne, Freude und Träumen eine solche Durchschlagskraft hatte entfalten können und fand doch immer nur den ersten Eindruck bestätigt, der auch heute keine Zweifel zurücklässt (wie unzählige Kommentare der letzten Wochen auf YouTube belegen), wenn es diffus um die Gesamtsituation der Welt und ihre Gemütslage geht:


Nehmen wir diesen unsäglichen Ausklang zum Anlass, um noch einmal den Bogen zu schlagen: Bettelte Nicole um ein bisschen Frieden, letztlich um eine neue Heimat in einer zusehends unwirtlichen Welt, gewährt auch Heintje seinen Hörern keinen Halt, im Gegenteil: Selbst auf der Grenze verweilend, der kleine Engel, vertreibt er sie vielmehr aus dem Paradies kindlicher Unschuld, verweist sie stattdessen auf eine rückhaltlose Verinnerlichung bloßer Erinnerungen. Es gibt kein Zurück mehr, noch weniger ein Vorwärts ins Zurückliegende, allein eine Versöhnung mit der Verfallenheit nach dem Fall.


Fernsehkameras, Mikrofone, Scheinwerfer - Nach längerer Zeit gibt es wieder mal ein Musical im Theater am Marientor. Das Stück "N bisschen Frieden" erzählt eine Liebesgeschichte, die im geteilten Deutschland der frühen 80er Jahre beginnt und den Bogen zum Happy End in die heutige Zeit schlägt. Bis auf seinen größten Hit "Ein bisschen Frieden" hat Ralph Siegel für das Stück alte, unbekannte Songs herausgesucht, die er schon vor langer Zeit geschrieben hat. 041b061a72


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